Ein 311-er Faltdach lebt wieder!

Nach den Erfahrungen, die ich mit meiner Luxuslimo von 1965 machte, wollte ich mir nie wieder einen solchen Restaurationsbedarf “an Land zu ziehen”. Ausgerechnet durch ein Käfer Faltdach anno 195... sollte ich meinen Wartburg und eine lange Restauration kennenlernen...

Alles begann an einem schönen Tag im Mai 2000. Mein Kumpel, Käferfan, kam vorbei und wir unterhielten uns über einen vor kurzem gesichteten wunderschönen Käfer. Als wir beim Eigentümer anklopften, hatte der auch sofort “ein Ohr” für uns und kamen auf meinen Wartburg zu sprechen. Sein Schwiegervater hätte noch “so einen” in der Garage stehen. Also Termin ausgemacht und das Auto besichtigt. Nach Öffnen der Türen und einem Wortschwall des Schwiegervaters über den gepflegten Zustand seines Autos rollten wir alsdann seinen “Liebling” ins Licht. Zuerst sahen wir das Faltdach und ein Gedanke schoss mir durch den Kopf:`” Mann der sieht ja noch richtig gut aus”.

Blaumann angezogen und unter das Auto gekrochen kam ich dann auch fünf Minuten später verwirrt und verschmutzt wieder hoch. Wie, nur Flugrost?.Der Wartburg war zwar umlackiert, machte aber auch von den Spaltmaßen, Schwellern sowie Türkanten einen soliden und gepflegten Eindruck.

Bei der Preisfrage wollte er mehr für den 311er, als ich es mir hätte leisten können, aber ihn auch loswerden. Sein “Westauto” stand schon so lange draußen und es würde bald Winter werden. Also billiger gekauft auf den Hänger (stand seit zehn Jahren) und in die Garage transportiert. Dann bin ich am Auto auf Zeitreise gegangen. Da gab es echt noch viel Arbeit an den Details. An Restauration dachte ich da noch gar nicht. Vielleicht ne Teilresto?! Vater war ja überhaupt nicht begeistert, denn zu dem Zeitpunkt war das ja mein drittes Auto ( 311er Luxus, Trabi Luxus und jetzt nen 311 Faltdach )! Trabi verkauft und Wartburg angefangen zu säubern. Eine Stelle am Übergang Scheibenrahmen zum Kotflügel sah aber echt komisch aus. Ein freches Stück Lack hob sich da ab!

Das war dann der Auslöser dem “Wabu” nochmal aufs Blech zu fühlen und ihn in der Absicht “nur zu konservieren” teilzuzerlegen. Die Kotflügel wurden  demontiert und beim Dreckschichtentfernen einige  klitzekleine Löcher freigelegt.

Tja, weiter mit dem Zerlegen und dann kamen mir Zweifel an meinem Kauf . Wieder verkaufen? No way! Besonders interessant wurde die Suche nach den Originalteilen die Unfälle und DDR-Planwirtschaft gekostet hatten. Das Fahrzeug wechselte dreimal den Besitzer und jeder trug dazu bei, dem Auto noch etwas hinzuzufügen (Unfall oder ein Ersatzteil neuerer Art). Also war von Originalität nichts mehr zu sehen. Der Brief gab dann doch den Ausschlag. Ein 900er Standard-Faltdach in blau-weiß. Aber blau weiß? Auf keinen Fall.

Der Sandstrahler hatte viel zu tun und mein Schrecken wuchs, angesichts der Hiobsbotschaften meines Klempners und der Angstschreie meines Kontos, ins Unermessliche.  C-Säulen, Bodenblech, Rahmen und Türfalze hatten ihr bestes gegeben um kleine Käselöcher zu verbergen. Der Lackierer ließ den Blechkünstler dann doch noch einmal arbeiten, da erst durchs Enlacken die letzten Gammelstellen zutage kamen. Ich war  600 km weit weg und das für vier Monate!  Eine nah gelegene Metallveredlung freute sich über die zu verzinkenden Schrauben und Blechsätze und half auch preislich den Rahmen des Projektes nicht zu sprengen. Beim Sattler passten das neu angefertigte Faltdach und die Türen nicht. Kleinteile verschwanden ungesehen und eine ungenannte Galvanik im hiesigen Sachsen hatte es nur nach mehrmaligen Anläufen geschafft, die Teile in entsprechender Qualität abzuliefern.

 Nur durch die Unterstützung vieler Bekannter und Freunde steht nun ein wunderschöner Oldtimer  in meiner Garage. Allerdings lösten sich einige Rätsel, wie zum Beispiel die Art der ursprünglich verwendeten Lenksäule und der Schaltafel, erst durch langes Telefonieren und Durchforsten alter Werbematerielien.

Ich hoffe das  2002 sich noch ein weiteres schönes Fahrzeug auf den Weg zu hiesigen Treffen und Veranstaltungen machen kann. Zusammen betrachtet könnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als nach kleinen Details zu suchen und diese dann bestätigt zu finden.

Danny 


Daten:

Typ: 311 008 L

Baujahr: 3 /1961

Tag der 1. Zulassung: 24.3. 1961

Farbe: weinrot

Motor: M 14, Original, 50PS neu

Laufleistung: ca. 83000 km

Interieur:  VW - Stoff / Kunstleder / beige,

Faltdach: “Sonnenland” Verdeckstoff / beige

Bereifung: Vreedestein Radial

Karosse: teilweise galvanisch verzinkt und mit Steinschlagschutz versiegelt

 Gern werden Eure Fragen beantwortet! Schreibt an: d.schulz@carossie.de

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Aktualisierung:

21.04.2003